Die Antwort ist klar: grosses Kino
Solothurn, 25. Januar 2026 – Am Rande der Solothurner Filmtage diskutierten Sven Wälti (Leiter Film SRG), Noah Bohnert (Hugofilm) und Moderator Fabian Gressly (Co-Präsident SRG AG/SO) über die Filmförderung der SRG. Unter dem Titel «Grosses Kino oder Mattscheibe?» beleuchteten sie die Rolle der SRG als Filmförderin.
Die SRG spielt eine zentrale Rolle in der Schweizer Filmlandschaft. Nach dem Bundesamt für Kultur ist sie eine der wichtigsten Förderinnen des heimischen Filmschaffens und investiert unter anderem jährlich 34 Millionen Franken im «Pacte de l’Audiovisuel». Fabian Gressly eröffnete die Runde mit der Frage: Warum? Sven Wälti antwortete klar: Filme und Serien sind ein wichtiger Teil des Service-Public. Sie gehören zum breiten Programmangebot, das neben Information und Bildung auch Unterhaltung bietet – und damit ein vielfältiges Publikum erreicht.
Mehr als nur Filme
Noah Bohnert betonte den grossen Beitrag der SRG für Schweizer Produktionen und ihre Rolle bei der Sichtbarkeit dieser Werke. Die SRF-Ausstrahlung bietet Filmemachern eine nationale Plattform, die sie sonst nicht hätten. Zudem erzählt die SRG Schweizer Geschichten aus allen vier Sprachregionen, die private Anbieter kaum erzählen würden, weil sie nicht rentabel sind. Doch die wirtschaftliche Bedeutung reicht weit über die Filmproduktion hinaus. Viele Gewerbezweige und Dienstleister sind daran beteiligt, von der Crew über das Catering bis zu Übernachtungen vor Ort. Die SRG-Investitionen schaffen Arbeitsplätze und Wertschöpfung in allen Regionen der Schweiz. Lesen Sie in diesem Beitrag von «SRG-Public Value», wie die RTS-Serie «Winter Palace» die Walliser Wirtschaft ankurbelt.
Eigenproduktionen und Partnerschaften
Sven Wälti hob den Unterschied zwischen Eigen- und Co-Produktionen hervor. Während SRG-Eigenproduktionen intern entstehen, arbeiten bei Co-Produktionen externe Produktionsfirmen wie Hugofilm und internationale Medienunternehmen wie Arte mit. Das Thema Co-Produktion führte Fabian Gressly zur kühnen These, die Schweizer Tatort-Produktionen seien eher konservativ. Noah Bohnert konkretisierte, dass in der Schweiz zwei Tatortfolgen pro Jahr produziert werden, während es in Deutschland 20 sind. Diese Produktionsmenge ermöglicht mehr kreative Experimente.
Streaming-Dienste als neue Partner
Ein wichtiges Thema war die Konkurrenz durch internationale Streamingdienste und die sogenannte «Lex Netflix». Sowohl Noah Bohnert als auch Sven Wälti begrüssen die Regelung, wonach Anbieter wie Netflix, Disney+ oder Amazon Prime vier Prozent ihres Schweizer Umsatzes in Schweizer Film- und Serienproduktionen investieren müssen.
Für 2024 ergibt sich daraus eine Investitionsverpflichtung von 30 Millionen Franken. Ein konkretes Beispiel ist die Serie «Winter Palace» – die erste offizielle Gemeinschaftsproduktion zwischen RTS und Netflix. Laut Sven Wälti wäre dieses Projekt mit einem zweistelligen Millionenbudget ohne die Netflix-Partnerschaft nicht realisierbar gewesen.
Ein Plus für mehr Inhalte, mehr Schweiz und mehr Service Public
Bekanntlich belebt Konkurrenz das Geschäft. Und weil das so ist, investiert die SRG in ihre nationale Streaming-Plattform Play+. Ab Herbst 2026 werden alle Video- und Audioinhalte von RSI, RTR, RTS und SRF sowie Play Suisse auf einer Plattform zusammengeführt – live, zeitversetzt und auf Abruf.
Wolken am Horizont
Das Podiumsgespräch zeigte deutlich: Die SRG leistet mit ihrer Filmförderung einen unverzichtbaren Dienst für die Schweizer Kulturlandschaft. Sie erzählt Geschichten, die sonst niemand erzählen würde, schafft Reichweite, Arbeitsplätze sowie Wertschöpfung und positioniert den Schweizer Film international.
Die Sonne strahlt also über der Schweizer Film- und Serienwelt, alles glitzert schön und bunt. Doch am Horizont ziehen Wolken auf. Ein Sturmtief namens «Halbierungsinitiative» naht. Eine Annahme hätte verhängnisvolle Folgen für die Filmförderung und den Service Public. Der Pacte de l’audiovisuel und das gesamte Schweizer Filmschaffen würden massiv unter Druck geraten. «Es droht die Gefahr, dass alles, was aufgebaut wurde, zusammenkracht», sagte Sven Wälti.