Die SRG ist für mich wie ein Supermarkt

  1. Was hat dich damals dazu bewogen, dich auf die ausgeschriebenen Vorstandsvakanzen zu bewerben?

Ursprünglich habe ich mich für die Kommission Programmbeobachtung beworben und wurde später direkt für die Vakanz im Vorstand angefragt. Meine Motivation war jedoch in beiden Fällen dieselbe. Medien ziehen sich wie ein roter Faden durch mein gesamtes Berufsleben – als Medienplanerin, Verantwortliche einer Pressestelle, Verfasserin zahlreicher Medienmitteilungen, Organisatorin nationaler Medienkonferenzen und erste Anlaufstelle für Medienschaffende.

Die Vielfalt der Medien spiegelt die Vielfalt unseres Landes wider – regional, kulturell und gesellschaftlich. Gleichzeitig ist diese Medienvielfalt in den vergangenen Jahren zunehmend unter Druck geraten: durch Sparmassnahmen, den Einfluss sozialer Medien und ein wachsendes Desinteresse an politischen Themen.

Ich bin überzeugt: Nur wer versteht, was vor der eigenen Haustür passiert – im Quartier, in der Gemeinde oder im Kanton –, kann nationale und internationale Entwicklungen einordnen und sich eine fundierte eigene Meinung bilden. Genau deshalb ist mir ein vielfältiger, unabhängiger und regional verankerter Service public ein grosses Anliegen.

  1. Welche Bedeutung hat die SRG aus deiner Sicht – sowohl für die Gesellschaft als auch für dich persönlich?

Gesellschaftlich ist die SRG für mich wie ein Supermarkt: Sie bietet für alle etwas. Die einen verfolgen Sportübertragungen, andere suchen Hintergrundinformationen zu aktuellen Themen oder Unterhaltung. Regionale und internationale Berichterstattung haben genauso ihren Platz wie Inhalte in unseren vier Landessprachen. Gerade in unsicheren Zeiten – etwa während der Covid-Pandemie – bieten die SRG, ihre Informationsgefässe und die Menschen, die sie prägen, Orientierung, Verlässlichkeit und Sicherheit.

Für mich persönlich gehört die SRG zur Schweiz wie Ovomaltine oder Emmentaler Käse. Ich schätze, dass ich je nach Bedürfnis auf ganz unterschiedliche Angebote zurückgreifen kann – sei es die Musik auf SRF 3, die Tagesschau als verlässliche Informationsquelle oder eine Dokumentation. Ich vertraue darauf, dass bei der SRG die Fakten im Mittelpunkt stehen und nicht Klicks oder Sensationen. Genau dieses Vertrauen macht sie für mich zu einem unverzichtbaren Teil unserer Medienlandschaft.

  1. Wie sieht dein persönlicher Medienkonsum aus? Welche Medien nutzt du regelmässig und weshalb?

Information, Unterhaltung und Inspiration - das ist es, was ich von Medien erwarte. SRF 3 begleitet mich seit meiner Teenagerzeit - meist im Hintergrund und bei den Informationssendungen mit voller Aufmerksamkeit. Besonders schätze ich die Berichte der Korrespondentinnen und Korrespondenten, die vor Ort berichten und internationale Ereignisse einordnen. Auch heute informiere ich mich lieber online über das TV-Programm, als mich vom Sofa aus durch unzählige Sender zu zappen. Zeitungen und Zeitschriften lese ich nur noch selten. Stattdessen greife ich lieber zu einem Buch – und habe dank Empfehlungen aus dem Literaturclub schon einige inspirierende Entdeckungen gemacht. Und ja: Für die sozialen Medien verbringe ich täglich wohl auch (zu) viel Zeit.

  1. Gibt es aus deiner Sicht eine Verbindung zwischen deiner beruflichen Tätigkeit und dem Service-public-Auftrag der SRG? Wenn ja, worin besteht diese?

Ich arbeite im Corporate Bereich eines Spitals. Auch wir bewegen uns in einem Umfeld mit klaren Leistungsaufträgen, öffentlichem Interesse und einer Mitfinanzierung durch die Allgemeinheit. Dadurch entstehen ähnliche Spannungsfelder: Der Anspruch an Qualität und Verlässlichkeit wächst stetig, während die verfügbaren Mittel begrenzt bleiben.

Regulatorische Vorgaben schaffen dabei den Rahmen – sie geben Orientierung, verlangen aber gleichzeitig ein hohes Mass an Professionalität und Effizienz. Und wie bei der SRG ist das sichtbare Ergebnis nur möglich, weil im Hintergrund Menschen aus ganz unterschiedlichen Fachbereichen täglich ihren Beitrag leisten. Ob eine gute Sendung oder eine erfolgreiche Behandlung: Beides entsteht durch das Zusammenspiel vieler Disziplinen.

  1. Was hat dich seit deinem Eintritt in den Vorstand der SRG am meisten überrascht? Gibt es bereits erste Erfahrungen oder Erkenntnisse, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?

Am meisten überrascht haben mich die Menschen – und zwar durchwegs positiv. Ich durfte einen Vorstand kennenlernen, der sich mit viel Engagement und Überzeugung für die SRG einsetzt, gerade auch in einer Zeit, in der der Service public intensiv diskutiert wird.

Beeindruckt hat mich zudem, wie nah die der «Leutschenbach» ist: An der Generalversammlung mit Persönlichkeiten aus der Direktion und bekannten Sendungen wurde spürbar, dass der Austausch mit den Regionen und den Mitgliedern ernst genommen wird.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir aber die Unterstützung der Mitglieder. Mit ihrer Unterstützung ermöglichen sie dem Vorstand, eigene Projekte und Themen zu entwickeln. Dieses Vertrauen motiviert und zeigt, wie wichtig eine aktive und engagierte Mitgliedschaft für die SRG ist. Umso mehr wünsche ich mir, dass sich künftig auch wieder mehr jüngere Menschen engagieren, ihre Perspektiven einbringen und die Zukunft der SRG aktiv mitgestalten.

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