KI im Selbstversuch

Bild von KI im Selbstversuch
KI-Generiertes Titelbild (Prompt für ChatGPT: Kannst du für diesen Blogbeitrag bitte ein passendes Titelbild für die Webseite erstellen. Es sollte im Querformat sein und symbolisch für KI stehen und die Farben des SRG-Universums aufnehmen.)

Über sie wird – buchstäblich – an jedem Esstisch gesprochen: Künstliche Intelligenz. Wir haben deshalb mal selbst herauszufinden versucht, was sie kann.

Sie ist in aller Munde und allenthalben versucht man sich an ihr oder hat sie gar fest in die Arbeitsabläufe einbezogen: Die sogenannte «Künstliche Intelligenz», also Tools, die einen in der Arbeit unterstützen (sollen), indem sie anhand von Algorithmen und «Erlerntem» aus den riesigen Datenmengen des Internets (und allenfalls spezifischen Dokumenten) Zusammenhänge herstellen. KI war auch jüngst Thema am Jahresessen von Vorstand und Programmbeobachtung, als wir uns fragten, welche Auswirkungen – im Positiven wie Negativen – die neuen Möglichkeiten auf die Arbeitswelt haben.

Wir wollten das mal ausprobieren und baten das aktuell populärste Tool, ChatGPT (in der unbezahlten Version):

«Verfasse einen tagesaktuellen Blogbeitrag über die SRG Aargau Solothurn. Gehe dabei auf politische Entwicklungen im medialen Service public der letzten Monate sowie auf die regionale Bedeutung der SRG für die Kantone Solothurn und Aargau ein. Berücksichtige auch neueste Themen und Veränderungen in der SRG Aargau Solothurn und setze sie in Bezug zu älteren Themen. Das Zielpublikum des Beitrags sind die Mitglieder des Vereins sowie interessierte Kreise darüber hinaus. Verfasse den Text aus Sicht des Co-Präsidiums. Der Umfang soll etwa 4000 Zeichen inklusive Leerschläge umfassen, die Sprache soll lebendig und offen sein und Identifikation stiften. Beziehe Informationen für den Blogbeitrag von der Website der SRG Aarau Solothurn.» (eingegeben am 9. Juni 2026)

ChatGPT rechnete und recherchierte ca. acht Sekunden lang und liess uns derweil wissen:

Für einen Blogbeitrag dieser Art eignet sich ein publizierbarer Entwurf. Nachfolgend ein Text aus Sicht des Co-Präsidiums, basierend auf den aktuellen Entwicklungen rund um die SRG Aargau Solothurn und die medienpolitische Debatte der letzten Monate.

Das ist, was wir selbst KI als Auftrag gegeben haben, nur etwas anders formuliert. Aber ein bisschen Smalltalk schadet vielleicht auch hier nicht, um sich kennen zu lernen. Nach acht Sekunden erhielten wir einen passablen Text, der aber so seicht und «wiedergekäut» war, dass wir ihn Ihnen gern ersparen. Doch ChatGPT schlug etwas vor, worauf wir gern einstiegen:

Der Text umfasst rund 4'000 Zeichen inklusive Leerzeichen und ist stilistisch auf die Mitgliederkommunikation der SRG Aargau Solothurn ausgerichtet. Ich kann ihn bei Bedarf auch stärker politisch, persönlicher oder journalistischer zuspitzen.

Das mit dem Umfang stimmt übrigens nicht: Der Text war weit über 4500 Zeichen mit Leerschlägen lang. Dennoch baten wir KI-Tool:

«Spitze den Text stärker zu, vor allem in Bezug auf journalistische und politische Aspekte.» (eingegeben am 9. Juni 2026)

ChatGPT quittierte, freundlich wie immer:

Gerne. Für ein Vereinsblog-Publikum darf der Ton pointierter sein, ohne parteipolitisch zu werden. Die aktuelle Debatte um den Service public bietet dafür genügend Anknüpfungspunkte. Ein stärker zugespitzter Text könnte so aussehen:

SRG-seitige Unabhängigkeit kann KI jedenfalls schon mal! Ein paar Sekunden später erhielten wir dies:

Die Debatte ist nicht vorbei

Wer gehofft hat, mit dem deutlichen Nein zur Halbierungsinitiative sei die Diskussion um die Zukunft der SRG abgeschlossen, dürfte sich täuschen. Die Abstimmung hat zwar gezeigt, dass eine Mehrheit der Bevölkerung den medialen Service public weiterhin als unverzichtbaren Bestandteil der Schweizer Demokratie betrachtet. Die grundlegenden Fragen aber bleiben auf dem Tisch: Welche Medien braucht die Schweiz künftig? Wie viel unabhängiger Journalismus ist uns wert? Und wer berichtet über Regionen wie Aargau und Solothurn, wenn es die SRG nicht mehr in ihrer heutigen Form gibt?

Abgesehen von der unglücklichen Formulierung («Wie viel unabhängiger Journalismus ist uns wert?» sollte eigentlich «Wie viel ist uns unabhängiger Journalismus wert?» heissen), stimmt das soweit alles im Grundsatz. Oft in den Hintergrund gerät allerdings, wenn man sich auf die SRG fokussiert, dass auch andere Medienplayer diese Aufgabe wahrnehmen.

Die vergangenen Monate haben deutlich gemacht, dass die SRG zunehmend unter politischen und wirtschaftlichen Druck gerät. Sparvorgaben, Regulierungsdebatten und wiederkehrende Angriffe auf die Mediengebühren prägen die öffentliche Diskussion. Dahinter steht eine grundsätzliche Frage: Soll Information primär eine öffentliche Aufgabe sein oder den Gesetzen des Marktes folgen?

Hier vermengte ChatGPT zwei Dinge: öffentliche Aufgabe und öffentlich finanzierte Aufgabe. Dabei ging das Tool zumindest implizit davon aus, dass nur das eine oder das andere Platz haben und eine Koexistenz beider Formen nicht möglich ist.

Wir sind überzeugt: Gerade in einer Zeit, in der sich Informationen in Sekundenschnelle verbreiten, Falschinformationen gezielt gestreut werden und internationale Plattformen um Aufmerksamkeit konkurrieren, braucht die Schweiz starke, unabhängige und regional verankerte Medien mehr denn je.

Das sind wir tatsächlich und wir könnten diesen Absatz hundertprozentig unterschreiben. Aber das ist auch nicht weiter überraschend und steht in ähnlicher Form schon irgendwo auf unserer Website geschrieben

Wer regelmässig das Regionaljournal Aargau Solothurn hört oder die Berichterstattung aus unserer Region verfolgt, weiss, worum es geht. Es geht nicht um abstrakte Medienpolitik. Es geht darum, wer über Gemeinderatswahlen berichtet. Wer Missstände aufdeckt. Wer politische Entscheide einordnet. Wer kulturelles Leben sichtbar macht. Und wer den Menschen in unseren Regionen eine Stimme gibt.

…denn das können oder wollen Google & Co., die sich auf einen Markt mit Milliarden Menschen weltweit ausrichten, nicht. Und auch KI kanns nicht – oder nicht in einer Form, die nicht bereits schon vorhanden war.

Die Vorstellung, all dies würde im Fall eines massiven Leistungsabbaus einfach von anderen Anbietern übernommen, erscheint zunehmend unrealistisch. Die wirtschaftliche Situation vieler privater Medienhäuser zeigt das Gegenteil. Redaktionen werden kleiner, regionale Berichterstattung wird reduziert, Titel verschwinden oder werden zusammengelegt. Umso wichtiger bleibt eine starke SRG als verlässliche publizistische Grundversorgung.

Das bedeutet nicht, dass die SRG über Kritik erhaben wäre. Im Gegenteil. Gerade eine öffentlich finanzierte Medieninstitution muss sich Fragen gefallen lassen. Sie muss transparent sein, ihre Leistungen erklären und sich kontinuierlich weiterentwickeln. Die Digitalisierung verändert das Medienverhalten rasant. Junge Menschen informieren sich anders als frühere Generationen. Neue Technologien wie künstliche Intelligenz verändern die Produktion und Verbreitung von Inhalten grundlegend. Die SRG muss auf diese Entwicklungen Antworten finden.

Zumindest implizit könnte man also folgern: Selbst KI will, dass die SRG weiterhin online präsent ist und ein Angebot bereit stellt, dass jene, die auf entsprechenden Kanälen unterwegs sind, informiert. Ausserdem ist die SRG nicht nur daran, die Antworten auf die erwähnten Entwicklungen zu finden, sondern sie umzusetzen.

Doch die Antwort kann nicht darin bestehen, journalistische Leistungen abzubauen. Denn das zentrale Problem unserer Zeit ist nicht ein Überangebot an Qualitätsjournalismus. Das Problem ist vielmehr die wachsende Schwierigkeit, verlässliche Informationen von Meinungen, Interessen oder gezielter Manipulation zu unterscheiden.

Genau hier liegt die demokratische Bedeutung des Service public. Demokratie lebt von informierten Bürgerinnen und Bürgern. Sie lebt davon, dass politische Debatten auf Fakten beruhen. Sie lebt von Medien, die unabhängig recherchieren und nicht primär Klickzahlen oder Renditeerwartungen verpflichtet sind.

So weit, so wenig neu…

Als SRG Aargau Solothurn verstehen wir uns deshalb nicht nur als Trägerschaft eines Medienunternehmens. Wir verstehen uns als Teil einer öffentlichen Debatte über die Zukunft unserer demokratischen Öffentlichkeit. Unsere Aufgabe ist es, den Dialog zwischen Publikum und SRG zu fördern, Kritik aufzunehmen und gleichzeitig aufzuzeigen, weshalb unabhängiger Journalismus keine Selbstverständlichkeit ist.

Diese Aussage fanden wir hingegen recht elegant und treffend: «Als SRG Aargau Solothurn verstehen wir uns deshalb nicht nur als Trägerschaft eines Medienunternehmens. Wir verstehen uns als Teil einer öffentlichen Debatte über die Zukunft unserer demokratischen Öffentlichkeit.» Denn Information geht über das, was Medien leisten, hinaus. Es geht (auch) darum, wie wir mit Informationen umgehen, sie bewerten.

In den vergangenen Jahren hat sich auch unsere eigene Organisation verändert. Mit einem neuen Co-Präsidium, personellen Erneuerungen und neuen Formen des Austauschs wollen wir näher an den Menschen sein und unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen. Denn die Legitimation des Service public entsteht nicht in Bern oder Zürich allein. Sie entsteht dort, wo Menschen erleben, dass ihre Themen ernst genommen werden – in Aarau, Solothurn, Olten, Baden, Zofingen, im Fricktal oder im Schwarzbubenland.

Schön prägnant und treffend formuliert. Auch das gefiel uns im Kern der Aussage sehr.

Die Debatte um die SRG ist deshalb weit mehr als eine Diskussion über Gebühren oder Strukturen. Sie ist eine Debatte darüber, wie wir als Gesellschaft miteinander im Gespräch bleiben. Und darüber, ob wir bereit sind, in eine gemeinsame, faktenbasierte Öffentlichkeit zu investieren.

Wir sind überzeugt: Diese Investition lohnt sich. Nicht für die SRG. Sondern für unsere Demokratie.

Auch das stimmt sehr und mit dieser Aussage können wir uns identifizieren. Und darum freuen wir uns auf alles, was wir im neu zusammengesetzten Vorstand erarbeiten werden. Einen Bericht über den ersten Schritt dazu, einen Werkstatt-Bericht aus der Retraite von letztem Samstag, gibt’s nächste Woche an dieser Stelle. Garantiert mit menschlichem Hirn erdacht und Fingern getippt!

Übrigens, kleiner – wie es heute heisst – «fun fact» zum Schluss: Auch der zweite Textversuch von ChatGPT war um 700 Zeichen zu lang.

Screenshot vom Chatverlauf mit der KI ChatGPT

Text: Fabian Gressly und Marina Della Torre, Co-Präsidium SRG Aargau Solothurn

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