Ob linear oder als Podcast: Radio-Informationen für alle Bedürfnisse
Die Kommission Programmbeobachtung der SRG Aargau Solothurn hat Audioangebote von SRF im linearen Programm sowie als Podcasts verglichen und ihre Feststellungen an der letzten Sitzung mit den Programmverantwortlichen diskutiert. Das Thema ist Teil einer grösser angelegten Beobachtung.
In den letzten Jahren haben die jeweiligen Gremien der verschiedenen SRG-Mitgliedgesellschaften vermehrt für gemeinsame Programmbeobachtungen zusammengespannt. Auch dieses Jahr fand eine solche statt. In Zusammenhang mit dem Dialogfenster «Audiokultur im Wandel» des Publikumsrats der SRG.D ging es um lineare Radiosendungen und Podcasts. Verglichen wurden der Podcast «News Plus» von SRF 4 News und Radiosendungen nach Wahl – vom «Regionaljournal» über «Heute Morgen» und «Echo der Zeit» bis zu «Info 3». In der Beobachtung, an der auch die Kommission Programmbeobachtung der SRG AG SO (BEO) beteiligt war, ging es darum, dem Wesen der beiden Formate auf den Grund zu gehen und ihre Stärken zu finden.
Die BEO fand in ihrer Beobachtung, dass «News Plus» vor allem von seiner inhaltlichen Tiefe lebt: Weil sich eine Folge jeweils nur einem Thema widmet, bleibt in rund 15 Minuten Platz für Hintergründe, für Fachpersonen und für ein grösseres Gesamtbild, als es eine klassische Nachrichtensendung leisten kann. Dazu kommt eine persönliche, direkte Ansprache mit viel Raum für die Community – Hörer:innen können Fragen stellen, Feedback geben oder Themen vorschlagen. Gerade am Beispiel der Berichterstattung über den «Fall Untersiggenthal» (u.a. hier) hat sich dies sehr gut gezeigt. Ob das Duzen ankommt, ist allerdings Geschmackssache: Manche schätzten die Nähe, andere fühlten sich als Hörer:in unter Umständen ausgeschlossen. In der erzählerischen Form des Podcasts sahen einige BEO-Mitglieder zudem die Gefahr, zu Längen zu neigen oder tendenziöse Aussagen von Gesprächspartner:innen uneingeordnet stehen zu lassen. Die klassischen Radiosendungen überzeugen das Beobachtungsgremium mit der sachlichen, präzisen Art und Sprache sowie der grossen Themenbreite: In kurzer Zeit erhalten Hörer:innen einen Überblick über mehrere aktuelle Ereignisse. Während dabei das «Echo der Zeit» mit seiner internationalen Ausrichtung und seinen Expert:innen punktet, macht dies das «Regionaljournal» mit seinem regionalen Bezug. Als Schwachpunkt bleibt das enge Zeitkorsett: Bei so viel Themenbreite kommt die Vertiefung eines einzelnen Themas oft zu kurz, Inhalte bleiben an der Oberfläche oder wirken etwas «altbacken». Den BEO-Mitgliedern war aber bewusst: Das ist kein Mangel, sondern die Folge des anderen Sendungsprofils.
Im Vergleich zeigt sich: Podcasts können ein Thema vertiefen, mit Hintergrund und verschiedenen Blickwinkeln anreichern und erlauben es, gezielt nach Interesse auszuwählen, zu pausieren oder nachzuhören. Radiosendungen wiederum informieren kompakt, schnell und zuverlässig über ein breites Themenspektrum. Selbst wenn sich Themen überschneiden, behält der Podcast seinen Mehrwert, weil er zusätzliche Facetten liefert, für die im Radioformat kein Platz bleibt. Podcasts ergänzen in diesem Sinn das lineare Nachrichtenangebot. Besonders viel Mehrwert bietet dabei das Spezialformat «News Plus Hintergründe», das ein Thema gleich über mehrere Folgen hinweg vertieft.
Die Beobachtung von Podcast und Radiosendungen haben die fünf Beobachtungsgremien der SRG-Mitgliedgesellschaften (SRG ZH SH, SRG BE FR VS, SRG Ostschweiz, SRG Zentralschweiz und SRG AG SO) im Sommer vorbereitet und anschliessend anhand eines einheitlichen Fragerasters durchgeführt. Im Spätsommer fanden dann in jedem Gremium die abschliessenden Besprechungen statt, an denen neben den Mitgliedern der Beobachtungsgremien auch eine Vertretung der «News Plus»-Redaktion und oft der Regionalredaktion dabei waren. In einer abschliessenden gemeinsamen Besprechung aller Leitenden der Beobachtungsgremien wurde am letzten Donnerstag ein Fazit der Beobachtung gezogen und dem Leitungsteam des Publikumsrats als Ergänzung seines Dialogfensters mitgegeben. Die Beobachtung ergänzt die online durchgeführte Umfrage sowie der Austausch an einigen Veranstaltungen.