Vor-Ort-Begegnungen über die digitale Medienwelt

Vorletzte Woche war die SRG wieder unterwegs in der Region, um den Austausch mit Publikum und Bevölkerung zu suchen. Prominente Vertreter:innen von SRF und der SRG diskutierten dabei über die «digitale SRG».

Die Digitalisierung der Medienwelt beschäftigt die Welt allenthalben. In einer Woche, in welcher zwei grosse Schweizer Medienhäuser die Entlassung von über insgesamt 45 Journalistinnen und Journalisten bekanntgaben und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz mit dem Chip-Hersteller Nvidia eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz beschlossen hat, begaben sich Vertreterinnen der SRG in den Kanton Solothurn, um hier den Puls zu fühlen, wie die Bevölkerung dem Thema gegenübersteht. Am Montag, 19. Oktober diskutierten SRG-Generaldirektorin Susanne Wille sowie die beiden SRF-Journalist:innen Livio Carlin (SRF Impact) und Mona Vetsch (u.a. Mona Mittendrin) mit Schüler:innen und Studierenden der Bildungsstadt Olten in der Fachhochschule Nordwestschweiz, wie ein guter Umgang mit digitalen Kanälen aussehen könnte und wo Chancen und Gefahren bestehen. Zwei Tage später begaben sich Sandro Brotz (Arena) und Ivana Pribakovic (Rendez-vouz) ins Restaurant Eintracht in Balsthal, um mit einer ungleich älteren Generation über diesen Themenkreis zu sprechen. Verstärkt wurden sie an beiden Abenden von Marco Jaggi, Leiter der Regionalredaktion Aarau/Solothurn, soweit es um Fragen zum regionalen Journalismus ging.

So sehr sich das Nutzungsverhalten der beiden Generationen unterscheiden mag – wohl kaum jemand in der «Eintracht» kann eine tägliche Bildschirmzeit von fast acht Stunden ausweisen – so sehr waren es gleiche oder ähnliche Befürchtungen, die bestehen: Die Manipulationsmöglichkeiten, welche heute mit Künstlicher Intelligenz mit etwa Deep Fakes möglich sind, verunsichern. Für ein Medienhaus wie die SRG, das einen öffentlichen, demokratierelevanten Auftrag hat, sei es deshalb umso wichtiger, aufzuzeigen, wie Journalistinnen und Journalisten KI in ihrer Arbeit einbeziehen. In Olten machte Susanne Wille auf das KI-Reglement der SRG aufmerksam, das seit Juni dieses Jahres Vorgaben liefert. In Balsthal stellten sowohl Sandro Brotz wie auch Ivana Pribakovic klar, dass KI nur sehr zurückhaltend eingesetzt werden sollte und wird und der Mensch und seine journalistische Arbeit letztlich ausschlaggeben sind. Beide erzählten auch von eigenen Versuchen, KI für die Sendungsgestaltung zu nutzen, die mässig erfolgreich waren.

Wohl weil sie selbst affiner im Umgang mit digitalen Medien ist, bestimmte bei der jüngeren Generation an der FHNW bald ein anderer Aspekt die Debatte: Die Bedeutung der SRG als vertrauenswürdiges Medienunternehmen in einer zunehmend von polarisierten Quellen dominierten Welt der Sozialen Medien. Wille, Vetsch und Carlin versuchten dabei aufzuzeigen, dass es gelingen muss, auch in den wenigen Sekunden oder Minuten eines TikTok- oder Instagram-Beitrags die relevanten Informationen so vermitteln zu können, dass man beim Zielpublikum ankommt. Wie das am besten gelingt, darüber werde in den Redaktionen intensiv diskutiert.

Einig war man sich aber wiederum im Angebot, das die SRG zur Verfügung stellen soll: Reportagen, Dokumentationen und Serien stossen bei Alt und Jung auf Zustimmung. Dass die SRG neben dem linearen Angebot auch online stark sein muss, dieser Meinung war man ebenfalls sowohl in Olten wie in Balsthal, wobei sich die Schülerinnen und Schüler sowie Studierenden gegebenermassen noch stärker dafür aussprachen. Und mit Blick auf die neue online-Plattform der SRG, die allen alle Inhalte zugänglich machen soll, war man in der Beiz in Balsthal einträchtig der Ansicht: Es soll so ausgelegt werden, dass nicht (nur) eigene Präferenzen vorgeschlagen werden, sondern man auch Dinge zu sehen bekommt, von denen man nichts weiss und sie nicht a priori sucht.

Text: Fabian Gressly, Co-Präsident SRG AG SO

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