Warum sollte ich objektiv sein?
Tja – das frage ich mich auch. Wer ist denn eigentlich objektiv, und was soll „objektiv sein“ eigentlich heissen? Die Berichterstattung in den Medien soll objektiv und sachlich sein – dies obwohl jene über die berichtet wird meistens nicht objektiv und sachlich sind. Eigentlich wird von jenen über die berichtet wird schamlos gelogen, übertrieben, gefälscht, geheuchelt und dies mit einer Überheblichkeit die unerträglich ist. Ist eine objektive Berichterstattung noch möglich? Wenn jemand lügt, sollte die Lüge auch Lüge genannt werden. Das wäre objektiv. Wenn jemand übertreibt sollte die Übertreibung auch Übertreibung genannt werden. Wieviel Unwahrheit erträgt die Schere im Kopf einer Berichterstatter*in? Ich meine – zu viel. Ehrlichkeit und Objektivität heisst doch auch Stellung beziehen zu können und eine Lüge, Lüge nennen zu dürfen.
Kleines Beispiel: Die Schweiz nennt sich eine Demokratie. Seit wann eigentlich? Nicht wenige Mitbürgerinnen und Mitbürger (das * lasse ich bewusst weg) meinen seit 1291. Warum wurde das Frauenstimmrecht erst 1971 eingeführt? Und warum konnten zwei Gegner (ich muss korrigieren – einer von beiden „nimmt an“ dass er Ja gestimmt hat – sicher ist er sich nicht) des Frauenstimmrechtes am 10.12.2003 in den Bundesrat gewählt werden? Erinnert sich noch jemand – dafür wurde eine Frau abgewählt. Ich nenne dies eine Schande und absolut einer Demokratie unwürdig. Nette Volksvertreter*innen hatten wir damals. Eigentlich heute noch… Wenig hat sich seither verändert. Eigentlich nichts. Oh doch – fast hätte ich das vergessen. Der Stimmenanteil der „wahren Vertreter der Demokratie und des Volkswillens“ (auch hier lasse ich die weibliche Form und das * weg) hat sich massiv erhöht auf etwas über 30 %. Für mich als nicht objektiven Betrachter des Wahlverhaltens heisst das – etwas über 30 % der Stimmbürger*innen (das * muss ich hier leider einsetzen) sind in meinen Augen nicht demokratisch freiheitlich gesinnte Menschen. Wie kann man Vertreter*innen (leider mit *) einer Partei die Menschen ausgrenzt, verunglimpft, als „schwarze Schafe“ und „Messerstecher“ bezeichnet als Volksvertreter*innen wählen? Immerhin schaffen das locker etwas über 30 % der Stimmberechtigten Schweizer Bürger*innen. Der Parteipräsident, der nicht mehr existierenden Autopartei sagte seinerzeit öffentlich und ungestraft: „Grüne sollte man an die Wand nageln und mit dem Flammenwerfer drüber.“ Ulrich Giezendanner war damals Mitglied dieser Partei und wurde später Nationalrat der SVP. Ich habe nie von ihm gehört, dass er diese Aussage falsch finde – oder habe ich etwas verpasst? Da ist doch etwas faul. Da frage ich mich: was haben hier die Eltern, die Schule, ihre Mitmenschen falsch gemacht? Und warum nennt die „objektive Berichterstattung“ diese Ungerechtigkeit und Frechheit nicht beim Namen? Weiter könnte man sich doch auch Fragen, ist die Demokratie wirklich die richtige Staatsform oder ist es einfach eine Diktatur des Mainstreams? Losen statt wählen – eine Zufälligkeit. Wer „gelost“ wird ist „gewählt“. Radikal – jedoch absolut demokratisch. Jede*r hat die Chance. Eine wirkliche Chancengleichheit.
Doch zurück zur Objektivität. Kann sich ein*e Berichterstatter*in überhaupt noch leisten eine Meinung zu haben? Darf ich hoffen und meine Frage mit Ja beantworten? Ich erwarte von einer Berichterstattung auch eine Meinung. Diese darf durchaus mit meiner nicht übereinstimmen, doch will ich wissen, welche Meinung hinter einer „objektiven“ Berichterstattung steht. Und dies erwarte ich von den von mir konsumierten Medien – sonst sind sie nichts wert.