Was Sparen mit Sport und Energiewirtschaft zu tun hat

Letzte Woche informierte die SRG über die nächsten Schritte im Transformationsprojekt «Enavant». Was davon hängen blieb und welche Gedanken ihm durch den Kopf gehen, hier von Co-Präsident Fabian Gressly.

Erst einmal muss festgestellt werden: Zumindest für meine Wahrnehmung erzeugten die Ankündigungen zu den weiteren Details, wie und wo «Enavant» wirken soll, letzten Mittwoch überraschend wenig mediale Resonanz. Hatten nun, nachdem die SRG-Initiative gebodigt war, alle Medienschaffenden das Interesse an «uns» verloren? War (auch jetzt?) noch wenig klar greifbar, wohin die Reise geht? Oder hat man das alles schon mal gehört? Vermutlich treffen alle drei Vermutungen ein wenig zu.

Mit den Massnahmen, die letzte Woche verkündet wurden, werde die SRG «digitaler, beweglicher und effizienter.» Wie diese Aussage zu werten ist, nun, da doch über die neue Konzession diskutiert wird und Ideen im Bundesrat bestehen, die SRG im digitalen Raum zurückzubinden, wird sich wohl erst später zeigen. Klar ist aber tatsächlich, dass die SRG im digitalen Raum weiterhin präsent sein muss. Zum einen, weil sich dort viele – und wie länger wie mehr – Nutzer:innen informieren. Zum anderen, weil sich gerade im digitalen Raum Fake News enorm schnell verbreiten und die SRG als in Sachen Information verlässlicher Player im gleichen Raum präsent sein muss, um ein Gegengewicht zu bilden.

Gespart wird in Strukturen und Prozessen, aber auch in gewissen Übertragungen. So verzichtet die SRG künftig auf die Übertragung von Champions-League-Spielen. Das wird einige Fussballfreund:innen ärgern. Insbesondere, nachdem vor zwei Jahren die Rückkehr der Spiele zur SRG verkündet worden war (hier). Klar, denn künftig auf etwas zu verzichten, schmerzt immer (da dürfen die Fussballfreund:innen gern mal bei ihren kulturaffinen Freund:innen nachfragen), auch wenn andere finden, überteuerter Sport habe auf SRG-Sendern eh nichts verloren. Gern geht dabei vergessen, dass die Schweiz sich als einziges Land weit und breit den Luxus leisten könnte, die Königsklasse des Fussballs im freien Fernsehen zu übertragen. In Deutschland und Österreich etwa sind die Spiele bis auf ganz, ganz wenige staatsvertraglich geregelte Ausnahmen seit Jahren alle nur im Pay-TV zu sehen. Alles in allem werden mit dem angepassten Programmangebot 3,7 Millionen Franken gespart.

Beachtlich ist das Sparvolumen offenbar, wenn die Programmherstellung effizienter gestaltet wird und, so die eigene Medienmitteilung, «Doppelspurigkeiten abgebaut» werden, die sich in der komplexen Struktur der SRG ergeben hatten. Mit den entsprechenden Massnahmen sollen knapp 50 Millionen Franken eingespart werden.

Auch in der Energiewirtschaft gibt es Doppelspurigkeiten. Und sie sind nicht etwa überflüssig, sondern haben einen Zweck: Fällt eine Versorgungslinie aus, besteht eine zweite, die «einspringt». Ähnliche Mechanismen gibt es im Journalismus: Wenn’s «räblet», sind sehr schnell sehr viele personelle Ressourcen gefragt, um dem Informationsbedürfnis der Bevölkerung (und dem auferlegten Auftrag) nachkommen zu können. Die Beispiele reichen von «9/11» über den Credit-Suisse-Kollaps bis zum Brand von Crans-Montana. Es braucht aber auch Leute, die einspringen können, wenn jemand krankheitshalber, wegen eines Unfalls, einer Operation usw. ausfällt. In der erwähnten, eigenen Medienmitteilung wird SRG-Finanzchef Thomas Egger sofern zitiert, dass «die laufenden Sparprogramme ihre Wirkung stärker entfalten (…). Dazu gehört zum Beispiel auch die restriktive Wiederbesetzung von offenen Stellen.» Immer öfter und aus immer mehr Redaktionen hören wir von der Trägerschaft, dass die Zitrone ausgepresst ist. Nicht nur Kapazitäten, die im Idealfall nicht genutzt werden müssen, aber im Bedarfsfall nötig sind, bestehen kaum mehr. Stellen, die nötig sind, um den Tagesbetrieb erfüllen zu können, müssen bei einem Abgang erst von oben zur Wiederbesetzung bewilligt werden. Solange das nicht entschieden ist, springen alle anderen ein. Das führt nicht nur immer wieder zu Engpässen, sondern ist demoralisierend. Stellen Sie sich vor: Die Ruderregatta ist für einen Zweier ausgelegt, doch Sie müssen die Strecke allein absolvieren. Keiner der Gebrüder Gier hätte so 1996 Olympia-Gold geholt.

Weil die bisherigen Massnahmen offenbar effektiver sind als erwartet, müssen kurzfristig nur 80 statt 125 Millionen Franken eingespart werden. Das Gesamtsparvolumen bis 2029 bleibt aber bei 270 Millionen, respektive 17% des Gesamtbudgets. Es ist zu hoffen, dass mit diesem Umstand etwas Druck aus dem Kessel genommen werden kann, um den Journalistinnen und Journalisten etwa mehr Luft zu geben. Für die grossen Informationsformate von SRF ebenso wie für die kleinen Redaktionen wie der Regionaljournale in den Regionen. Wir im Vorstand der SRG Aargau Solothurn haben ein Bonmot entwickelt, das als Binsenwahrheit zum Running Gag wurde: Es bleibt spannend…

Text: Fabian Gressly, Co-Präsident SRG Aargau Solothurn

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